Archive for category Kampfkunst allgemein

Kuatsu

Kennen Sie Kuatsu? Kuatsu ist asiatische Erste-Hilfe für Kampfkunst, Sport und Alltag.

Es gibt im Kuatsu Maßnahmen und Techniken für diverse Notfälle wie z.B. Ohnmacht, Herz- und Atemstillstand, Nasenbluten und viele mehr. Auch aus dem Übergangsbereich zum Shiatsu existieren einige Techniken, etwa zur Behandlung von Kopfschmerzen.

Meine Kuatsu-Webseite hat nun ein neues Design, schauen Sie doch mal vorbei unter http://kuatsu.net/.

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Tugend, Werte, Charakter

Viel wird in den (ost-)asiatischen Kampfkünsten über Werte und Tugenden gesprochen. Man kann bisweilen den Eindruck gewinnen, dass das Training einer Kampfkunst automatisch einen besseren Menschen aus einem macht. Es gibt fast keine Tugend, die nicht mit einer Kampfkunst in Verbindung gebracht wird. Hier ein Auszug:

  • Demut
  • Höflichkeit
  • Ehrlichkeit
  • Achtung
  • Bescheidenheit
  • Gerechtigkeit
  • Weisheit
  • Respekt
  • Unbezwinglichkeit
  • Vertrauen
  • Liebe
  • Aufrichtigkeit
  • Pietät
  • Integrität

Leider habe ich in den nun 22 Jahren meiner Laufbahn nicht den Eindruck gewonnen, dass es in den japanischen, koreanischen und chinesischen Kampfkünsten überdurchschnittlich viele tugendhafte Meister gibt, weder im Orient noch im Okzident. Werte werden natürlich auch dadurch transportiert, dass sich Trainer vorbildhaft verhalten und dass das Training gewissen Regeln folgt. Ich will nicht bestreiten, dass ein Potenzial da ist, aber nur weil man Kampftechniken trainiert, wird man noch lange nicht ehrlicher oder bescheidener.

Als ich zum Beispiel das hervorragend recherchierte Buch über Tae Kwon Do “Tödliche Kunst” las, war ich regelrecht schockiert darüber, wie geradezu tugendlos und unmenschlich sich viele Meister in der Vergangenheit verhalten haben.

Auch im Kapitel “Schwarzer Gürtel, schmutziges Geld (hier die deutsche Übersetzung frei Haus)” aus dem Buch “The New Lords of the Rings: Olympic Corruption and How to Buy Gold Medals” liest man so einige Dinge, die einen schwer nachdenklich stimmen.

Mit diesen beiden Beispielen soll nicht gezielt das Taekwondo getroffen werden. Ich habe mich aufgrund meiner eigenen Biographie einfach am meisten mit dieser Kampfkunst auseinandergesetzt und kenne daher die entsprechende Literatur am besten. So weit ich durch Gespräche mit diversen befreundeten Meistern und Trainern weiß, geht es in einigen anderen Kampfkünsten und Kampfsportarten hinter den Kulissen ähnlich zu. Dazu kenne ich allerdings keine Bücher, die mit den beiden oben erwähnten vergleichbar wären.

Tugenden, die in meinen Augen allerdings tatsächlich durch Kampfkunst gefördert werden, sind

  • Geduld
  • Durchhaltevermögen
  • Selbstdisziplin

Zugegebener Maßen sind sie mehr oder weniger synonym zueinander.

Der Grund liegt einfach darin, dass man sehr lange braucht, bis die Grundtechnik dem Ideal einigermaßen nahe kommt. Insofern werden diese Charaktereigenschaften in Kampfkünsten mit vielen und schwierigen Grundtechniken besonders gefördert. Je formalisierter eine Technik ist und je mehr Formen* man übt, desto mehr Geduld und Durchhaltevermögen braucht man wohl, denn die Fortschritte sind oft nur sehr klein.

Das bedeutet nicht, dass nur klassische oder traditionelle asiatische Kampfkünste solche Werte vermitteln können. Es bedeutet nicht einmal, dass das nur Kampfarten (inklusive europäischer Stile) können. Viele Wege führen nach Rom (oder nach Seoul). Die naheliegendsten Werte, die man mit Taekkyon und anderen Kampfkünsten vermitteln kann, sind jedoch diese drei. Wie heißt es so schön:

“Die drei Geheimnisse der Kampfkunst: Üben, üben, üben.”

Insofern wäre es vielleicht ratsam, es bei diesen Werten zu belassen und sie richtig zu verfolgen, bevor man nach den Sternen greift und all die anderen Werte ins Training integrieren will. Vielleicht ist Weniger an dieser Stelle Mehr. Als Trainer bzw. Lehrer rede ich im Training nicht viel darüber, was man tun oder lassen sollte. Mir ist es lieber, geerdet zu bleiben. Insofern bin ich froh darüber, dass Taekkyon nicht zu einer philosophischen Angelegenheit erklärt wurde. Wenn jemand zehn oder mehr Jahre trainiert und schließlich mit seiner Entwicklung zufrieden ist, wird er verstehen, welcher Wert in der Geduld liegt. Reden ist Silber, Handeln ist Gold!

* kor. Holsaegim, Hyeong (Hyong) oder Pumsae; jap. Kata; chin. Xing (Hsing)

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Kumdo, Gumdo, Geomdo – Schwertkampf auf Koreanisch

Kendo ist eine japanische Kampfkunst, die mit Schwert-Weg übersetzt werden kann. In Korea ist Kendo sehr beliebt. Korea ist sogar nach Japan die erfolgreichste Nation in Wettbewerben dieser Kampfkunst. In Korea nennt man diese Kampfkunst aber nicht Kendo, sondern Geomdo. Das kommt daher, dass man in Korea genau wie in Japan chinesische Zeichen für Begriffe mit chinesischem Ursprung benutzen kann. Wenn ein Koreaner diese Hanja genannten Zeichen liest, spricht er sie entsprechend seiner Sprache aus und auf Koreanisch heißt Schwert eben Geom und nicht Ken.

Geomdo ist die Schreibweise nach der revidierten Romanisierung (RR), die seit 2000 die offizielle Umschrift für die koreanische Sprache in Südkorea ist. Auf Koreanisch schreibt man das Wort mit den phonetischen Buchstaben 검도. Der Vokal der ersten Silbe ist dasㅓ. Dies ein offenes o, wie es z.B. im deutschen Wort “komm” vorkommt. Die Aussprache von Geom ist fast genau wie die von komm, der Anfangskonsonant ist lediglich etwas weicher als unser k und etwas härter als unser normales g.

Häufig liest man zwar die Romanisierungen Gumdo, Kumdo, Kǒmdo oder Komdo, aber sie werden alle gleich ausgesprochen. Keinesfalls wird das u wie ein deutsches u ausgesprochen, denn es wird im Koreanischen auch nicht mit u geschrieben. Mit u hieße es 굼도, das ㅜ in der Mitte der ersten Silbe (unter dem ᄀ) ist ein u. Das ᄆ ganz unten ist logischer Weise ein m ;) .

Gleiches gilt für die Schreibweise der Schwertkampfkunst Haidong Gumdo (해동검도), die nach RR „Haedong Geomdo” geschrieben wird.

Das traditionelle chinesische Zeichen (Hanja), welches in Korea für Schwert benutzt wird, ist 劍. Das chinesisch-vereinfachte Pendant ist 剑 und das japanisch-vereinfachte Kanji ist 剣. Das Hanja für Weg ist 道, Geomdo wird also in Korea mit Hanja 劍道 geschrieben.

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Taekwondo und Taekkyon

Da immer wieder die gleichen Fragen zum Verhältnis von Tae Kwon Do (TKD) und Taekkyon auftauchen, fasse ich hier mal einige FAQ zusammen

 

Frage: Hat modernes Tae Kwon Do-Training (in Deutschland) Einflüsse aus dem Taekkyon (zum Beispiel in den Formen)?

Antwort: Das kann man kurz und knapp mit “Nein” beantworten. Taekkyon hat zwar indirekt ein wenig auf das Tae Kwon Do (egal welche Stilrichtung) abgefärbt, aber die beiden Kampfarten sind immer noch sehr unterschiedlich. Besonders die Formen könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Taekkyon kommen in allen Formen viele verschieden Tritte von den Knöcheln bis zur Kopfhöhe vor, während es im Vergleich zum TKD nur relativ wenige Handtechniken gibt. Die TKD-Formen (Hyeong, Teul und Pumsae) bestehen hingegen zum größten Teil aus Handtechniken, während nur relativ selten und relativ wenige verschiedene Tritte vorkommen.

Frage: Wo liegen die technischen Unterschiede zwischen Taekkyon und Taekwondo?

Antwort: Die beiden Stile unterscheiden sich schon auf den ersten Blick recht stark, da die Bewegungslehre jeweils vollkommen anders ist. In der Selbstverteidigung verschwinden die Unterschiede zwischen allen Kampfarten natürlich grundsätzlich immer. Die folgenden Punbkte beziehen sich also hauptsächlich auf den Bereich der Grundtechnik.

  • Im Taekkyon benutzt man einen rhythmischen Grundschritt (Pum-Balkki), der ein Dreieck als Grundform hat. Diesen tänzerisch wirkenden Grundschritt gibt es im TKD grundsätzlich nicht.
  • Generell gesprochen ist Taekkyon fließend und Tae Kwon Do zackig. Taekkyon ist eine zivile Kampfkunst, Tae Kwon Do kommt dagegen aus dem Militär und diese Wurzeln sind auch dann noch erkennbar, wenn es im zivilen Bereich geübt wird. Z.B. werden Kommandos im Tae Kwon Do militärisch “streng” gegeben, in manchen Vereinen darf man während des Trainings nicht lachen und man verbeugt sich wie im koreanischen Militär. Im ITF-Stil schreitet man sogar im soldatischen Stechschritt in eine Wettkampfhalle ein. Generell herrscht in vielen TKD Vereinen eine militärisch anmutende Disziplin, während es im Taekkyon lockerer zugeht (“sportliche Disziplin”).
  • Im Taekkyon wippt man auf eine charakteristische Art in den Knien (Gumsil). Diese Bewegung gibt es im Tae Kwon Do nicht. In den Formen des ITF-Taekwon-Do gibt es allerdings seit den 1980er Jahren eine Bewegung, die entfernt vergleichbar ist (“Sinuswelle”).
  • Im Taekkyon gibt es viele tiefe Tritte und Feger, die auf die Beine zielen (Ttanjuk-su). Diese Tritte lernt man immer als erstes, direkt nach dem Grundschritt, sie sind von elementarer Bedeutung für das Taekkyon. Im Tae Kwon Do gibt es sie zwar grundsätzlich auch, sie stehen aber nicht derart im Vordergrund wie im Taekkyon und werden in manchen Vereinen gar nicht trainiert (das gilt für Korea und Deutschland gleichermaßen). Einige der tiefen Techniken werden in keinem TKD-Stil geübt, da sie sich aus dem traditionellen Taekkyon-Wettkampf entwickelt haben. Beispiele hierfür sind Batjang Chigi und Gakkeum Dari. Diese Techniken kommen sogar vermutlich in keiner anderen Kampfkunst vor, ich habe sie jedenfalls bisher nur im Taekkyon gesehen. In allen TKD-Stilen spielen tiefe Fußtechnik in der Grundtechnik, im Wettkampf und in den Formen nur eine untergeordnete Rolle. In den Pumsae (Formen) kommen sie bis auf eine Ausnahme in der Form Goryeo (Koryo) gar nicht vor (hier gibt es einen Arae Yop Chagi). Einige wenige Vereine in Deutschland üben den sogenannten Chokki-Taeryon. In diesen Schulen wird mehr Wert auf tiefe Tritte gelegt.
  • Im Taekkyon gibt es viele Würfe, die jeder Taekkyonin recht früh lernt. Sie stehen genauso im Vordergrund wie die tiefen Tritte und Feger. Im Tae Kwon Do spielen Würfe eine geringere Rolle, manche Taekwondoin lernen gar nichts in der Richtung.
  • Die Taekkyon-Handtechniken (Son Jil) sind i.d.R. rund und fließend, während die TKD-Handtechniken gerade und klar voneinander abgegrenzt sind.

Die große Gemeinsamkeit der beiden Kampfarten ist, dass sie beide sehr trittlastig sind. Allerdings ist die Art und Weise, wie getreten wird, wiederum unterschiedlich. Im Tae Kwon Do wird wesentlich mehr aus dem Knie heraus “geschnappt”.

Frage: Kennt man als Taekwondo-Praktizierender (Taekwondoin) überhaupt etwas vom Taekkyon? Wie sieht es in Korea aus?

Antwort: Als Taekwondoin lernt man kein Taekkyon, da die beiden Kampfarten nur sehr wenige Gemeinsamkeiten haben. Taekkyon basiert auf dem tänzerischen Grundschritt Pum-Balkki (und zwar immer, sonst ist es kein Taekkyon), den es im TKD nicht gibt.

Die Bewegungslehren, Grundlagen und Prinzipien der beiden Kampfarten sind vollkommen unterschiedlich. Das gilt auch für Korea, allerdings gibt es dort viele Meister, die im Laufe ihrer (beruflichen) Karriere mehrere Kampfarten praktizieren. Da es in Korea wesentlich mehr Taekkyon-Schulen als in Deutschland gibt und wesentlich mehr Werbung gemacht wird, weiß die Allgemeinheit dort heutzutage recht gut über Taekkyon bescheid. Als ich im Wintersemester 2001/2002 in Korea war, traf ich allerdings noch auf viele Koreaner, die dachten, dass Taekkyon das gleiche wie Taekwondo sei. Noch heute behauptet die WTF und das Kukkiwon auf ihrer Webseite, dass Taekkyon der direkte und einzige Vorfahre des Taekwondo sei:

The martial art Taekkyondo (Taekwondo) had been secretly handed down only by the masters of the art until the liberation of the country in 1945. [...] [Song Dok-ki], the afore-mentioned master of Taekkyondo, presented a demonstration of the martial art before the first Republic of Korea President Syngman Rhee on the occasion of the latter’s birthday anniversary, thus clearly distinguishing Taekwondo from the Japanese karate which had been introduced by the Japanese rulers.

Das Kukkiwon hängt an Taekkyon einfach die Silbe -do an und setzt dann Taekwondo dahinter in Klammern, um eine Ähnlichkeit zu suggerieren und benutzt Taekkyon dann synonym zu Taekwondo. Was will man dazu noch sagen?

Song Dokki (andere Schreibweise: Song Duk-ki) hatte nichts, aber auch einfach gar nichts mit Tae Kwon Do zu tun. Das gleiche gilt auch für seinen Lehrer Im-Ho und alle anderen seiner Trainingskameraden. Er hat dem Präsidenten an dessen Geburtstag am 26. März 1958 zwar tatsächlich eine Demonstration gegeben – aber das war Taekkyon.

Frage: Macht es überhaupt Sinn, ohne Taekwondo-Erfahrung mit dem Taekkyon zu beginnen?

Antwort: Da Taekkyon nicht auf dem TKD basiert und TKD auch nicht auf dem Taekkyon, kann man ohne Vorerfahrung in beide Kampfarten einsteigen. Im Taekkyon wird man als Grundlage Techniken und Schritte lernen, die im TKD völlig unbekannt sind. Natürlich hat man es später leichter, wenn man bereits einige Kampftechniken beherrscht. Das gilt aber für alle Kampfsportarten: Wer zum Beispiel vom Karate ins Kickboxen wechselt, wird dort auch von seiner Karate-Erfahrung profitieren.

Wer bereits TKD kann, wird bei den hohen Tritten im Taekkyon in der Regel schneller voran kommen – aber auch hier gibt es Ausnahmen. Ich hatte schon ehemalige Taekwondoin als Schüler, die sich mit den Taekkyon-Tritten und -Schritten sehr schwer taten. Andererseits gibt es auch Nicht-Taekwondoin, die Taekkyon sehr schnell erlernen.

Auf die Lerngeschwindigkeit kommt es aber auch gar nicht an, denn Taekkyon ist eine lebenslange Aufgabe. Es zählt nicht der Vergleich mit anderen (wenngleich der Wettkampf im Taekkyon traditionell eine große Rolle spielt), sondern die innere Zufriedenheit.

Zur Geschichte des Tae Kwon Do und warum der olympische Taekwondo Weltverband WTF (bzw. das Kukkiwon) diese immer noch fälscht, sind folgende Texte zu empfehlen (chronologisch geordnet)

Auch interessant in diesem Zusammenhang:

– Autor dieses Artikels: Hendrik Rubbeling (erste Version: 27.12.2012, überarbeitet 27.04.2013)

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